Vor kurzem habe ich die Endfassung meines neuen Ostseeromans „Rügenträume und Strandgeflüster“ (ab 10. Juni 2021 im Buchhandel) vom Verlag zurückbekommen. Das ist jedes Mal ein großartiges Gefühl. Geradeso, als würde sich die Tür zu einem Kapitel meines Lebens schließen.

Kurz darauf hatte ich ein interessantes Interview mit einer jungen Journalistin. Sie fragte mich, wie lange ich mich denn jetzt entspannt zurücklehnen und wann es mit dem Schreiben weiter gehen würde?

Warum bei einer Autorin „Nach dem Buch“, gleichzeitig auch „Vor dem Buch“ ist!

Ich fand die Frage der Journalistin total spannend. Denn, bei einem Autor, ist „nach-dem-Buch“, gleichzeitig „vor-dem-Buch“.
Natürlich ist mir bewusst, dass es Kollegen gibt, die aller drei Jahre oder in noch größeren Abständen einen neuen Roman herausbringen. Ich kenne auch Schriftsteller, die mehr als fünf Jahre an einem Manuskript sitzen. Ich bin da ein wenig flotter unterwegs.

Schon während ich die letzten Worte an meinem aktuellen Manuskript schreibe, schweife ich gedanklich schon in die Zukunft und überlege mir erste Formulierungen des neuen Romans. Wenn dann das fertige Manuskript zum Lektorieren an den Verlag geht, setze ich mich meist ganz schnell hin und beginne am neuen Buch zu schreiben. Natürlich könnte ich mir auch erstmal eine Auszeit gönnen.

Doch zum Ersten bin ich mit Leib und Seele Autorin. Ich liebe es einfach, zu schreiben, und könnte das von früh bis spät machen, egal ob Montag oder Sonntag ist. Ich sehe dies nicht als Arbeit an, sondern als Berufung. Und ich glaube, das spürt man auch in meinen Romanen. Wenn ich nicht schreiben kann, fehlt mir etwas und ich werde ein wenig unausstehlich (meint zumindest manchmal mein Umfeld).

Zum Zweiten bin ich eine Geschichtenerzählerin.

„Ich habe also ganz viele Geschichten in meinem Kopf und die müssen raus.“

Ich war immer schon eine Geschichtenerzählerin und habe als Kind damit oft meine Eltern und die Verwandtschaft unterhalten. Natürlich war mir damals nicht bewusst, dass dies eine Gabe ist. Im Gegenteil, ich dachte, keinen Menschen würden meine Geschichten auch nur im Geringsten interessieren. Zu erkennen, was ich da eigentlich kann (nämlich etwas, was viele andere Menschen nicht können), hat einige Jahre gedauert. Genauer bis zu meinem 46. Lebensjahr. Erst dann wurde mir bewusst, welche Freude es mir macht, zu schreiben und Menschen in meine Welt zu entführen, sie für eine Buchlänge aus ihrem Alltag zu holen.

Erst dann begriff ich, dass, obwohl es schon Millionen Bücher gibt, ich das Einmillioneneinste schrieb und dafür auch Leser fand. Das kommt mir an manchen Tagen immer noch total unglaublich vor.

Ich habe also ganz viele Geschichten in meinem Kopf und die müssen raus. Ansonsten spielen sie verrückt und funken mir bei allen möglichen Gelegenheiten in meinen Alltag. Sie wollen das Licht der Welt erblicken und zu Papier gebracht werden. Das ist jedes Mal eine kleine Geburt. Vermutlich sprechen Autoren deswegen von ihrem „Buchbaby“.

Zum Dritten muss ich noch aus einem ganz anderen Grund schreiben. Ich bekomme nämlich sehr viel Post. Manchmal als Mail, manchmal als Nachricht auf Social Media und manchmal sogar ganz klassisch als Brief. Ich bin dann jedes Mal schrecklich berührt und unglaublich dankbar. Ich, Evelyn Kühne, bekomme Post von stockfremden Menschen, die mir für meine Bücher danken und mich fragen, wann denn endlich der nächste Roman erscheint. Und auch diesem Grund kann ich keine langen Pausen machen und deswegen schreibe ich momentan schon wieder an meinem nächsten Roman.

Krimi und Weihnachtsroman 2021

Gerade eben befindet sich mein im Herbst erscheinender Krimi im Lektorat und ich denke mich gerade an die winterliche Ostsee. Denn in diesem Jahr wird es zum ersten Mal einen Winter/Weihnachtsroman von mir geben. Das habe ich mir schon ganz lange gewünscht und mein Verlag war von der Idee begeistert.

Ihr dürft euch also in diesem Jahr noch auf zwei Bücher von mir freuen. Und keine Angst, natürlich mache ich zwischendurch auch mal kleine Pausen. Ich muss ja schließlich im Außen auf die Suche nach neuen Geschichten gehen.